Mein neuer Kollege – der Roboter

“Anfang der Woche hat bei uns im Team ein Neuer angefangen. Ist ein sehr anständiger Kerl, hat von Anfang an verstanden worum es bei uns geht und worauf zu achten ist. Zwar ist er von seiner Art her eher zurückhaltend und kühl, aber dafür macht er ohne zu murren seine Arbeit auch wenn wir mal Pause machen. Und die Zusammenarbeit funktioniert echt klasse, vor allem wenn man bedenkt dass er eigentlich nur aus Metall und Kunststoff besteht – der neue ist nämlich ein CoBot, ein Collaboration-Roboter.”

Roboter sind Maschinen, die den Menschen körperliche Arbeit abnehmen. In der Industrie, vor allem in Fertigungen und in der Verpackungsindustrie, sind Roboter schon sehr lange im Einsatz. Ein Bild von einer Fertigungsstraße eines PKW-Herstellers hat jeder schnell vor Augen, wenn es um Roboter unterstützte Prozesse geht. Große, schwere Maschinen, die sich schnell bewegen, scheinbar mühelos große Werkstücke bewegen und hochpräzise verarbeiten. Aus der Ferne beobachtet durchaus beeindruckend, aber möchte man gemeinsam mit so einem Koloss direkt Schulter an Schulter an einem Fließband arbeiten? Eher nicht. Zum Schutz von menschlichen Kollegen sind solche Industrieroboter oft sogar extra in Metallkäfigen mit Schutzschaltung untergebracht, damit niemand versehentlich in den Arbeitsbereich der Maschine gerät. Das würde nicht gut ausgehen.

Doch das ändert sich nun. Die sogenannten CoBots (Collaboration-Roboter) sind explizit darauf designt, mit menschlichen Kollegen gemeinsam zu arbeiten. Sie besitzen entsprechende Sensorik, um ihr Umfeld und damit den Mitarbeiter aus Fleisch und Blut jederzeit wahrzunehmen. Sie bewegen sich etwas langsamerer und sind oft auf mehr als einen bestimmten Ablauf ausgelegt. Einige besonders smarte Exemplare sind sogar schon in der Lage, spontan neue Bewegungsabläufe dazuzulernen. Und zwar nicht etwa durch aufwändige Umrüstung und Programmierung, sondern ganz natürlich dadurch, dass der menschliche Bediener beispielsweise den Roboterarm einmal durch den neuen Ablauf führt. Das ist quasi das Aufzeichnen von Makros für Roboterbewegungen.

Die fortschreitende Entwicklung dieser Technologie ermöglicht derartige Bedienmodelle durch stetig verbesserte Sensorik, sensitivere Aktorik und intelligente Steuerungsprogramme. So werden Roboter in Fertigungen, Konfektionierung, Lagerhaltung und Logistik aus ihrer Käfighaltung befreit und tatsächlich zum direkten Zuarbeiter der menschlichen Teammates. Bei BMW und Audi sind die CoBots mittlerweile aus Testphasen raus und werden regulär in den Fertigungsstraßen eingesetzt. Bei Amazon sammeln CoBots die einzelnen Produkte einer Lieferung aus dem Lager zusammen und reichen Sie einem Paketierer am Packtisch an.

Und eben dieser Fortschritt ist es, der auch humanoide Roboter in Bereichen voran bringt, in denen die Wahrnehmung der Umgebung noch wichtiger ist, als für die Ausführung sehr eingegrenzter Arbeitsschritte – nämlich bei Servicerobotern für den Einsatz in Pflege, Haushalt oder gar für Assistenzaufgaben im geschäftlichen Umfeld. Da hier Prozesse um einiges vielfältiger als an einem Punkt einer Fertigungsstrecke sind und sich das Umfeld ständig ändert, bestehen für diese Maschinen aktuell noch erhebliche Herausforderungen.

Aber an diesen Herausforderungen wird gearbeitet. Ein Blick auf die Wettstreite im Rahmen der nationalen und internationalen RoboCup-Veranstaltungen in der Disziplin @Home zeigt schnell, dass hier für die Technologie wirklich viele UseCases identifiziert sind. Aber es zeigt sich auch, dass Roboter für viele dieser Einsatzzwecke durchaus noch etwas sensibler in der Wahrnehmung, smarter in der Verarbeitung und exakter in ihrer Interaktion werden dürfen. Bis dahin sammeln sie heute bereits wichtige Erfahrungen als freundliche Empfangsdame in Lobbies, als Servicemitarbeiter im Gastrogewerbe und natürlich als Entertainer für Publikum jeden Alters. Wer’s nicht glaubt, möge zum “Between the Towers” Event im Dezember kommen und sich überzeugen lassen.

In jedem Fall sind sowohl CoBots, als auch die humanoiden Kameraden gute Beispiele dafür, dass die Befürchtung ungerechtfertigt ist, Roboter würden uns unserer Arbeitsplätze berauben. Lediglich die unattraktiven, eintönigen oder körperlich schweren Arbeiten werden an die mechanischen Kollegen abgegeben und diesen Aufgaben wird wohl kaum jemand nachtrauern. Im Gegenteil: Es werden wichtige Kapazitäten bei den Bedienern frei, die für deutlich anspruchsvollere Aufgaben eingesetzt werden können und so die Produktivität steigern.

Sehr schön. Und was ist jetzt eigentlich mit ChatBots, RoboAdvisorn und solchen Robotern zur smarten Automatisierung von Softwareprozessen? Sind die nicht viel eher von Relevanz für Financial Services? Sind das überhaupt Roboter im herkömmlichen Sinne? Wo geht die Reise für diese Sparte der Robotic hin?

Damit werden wir uns in einem separaten Blog-Beitrag auseinandersetzen. Und gerne auch mit Ihren Fragen zur Thematik: robotic@main-incubator.com.

Autor: Dirk Plewnia