Impact Investing & Venture Capital

Einführung

Laut Berechnung der Vereinten Nationen (UN) werden im Jahr 2050 bereits 9,8 Mrd. Menschen auf der Welt leben.[1] Schon heute, bei einer Bevölkerung von etwa 7,5 Mrd. Menschen, haben wir die Ressourcen, welche die Erde in einem Jahr natürlich regenerieren kann, bereits im Juli verbraucht.[2] Schon bald soll sich in unseren Meeren mehr Plastik als Fisch befinden und das von der UN ausgemachte 2-Grad-Ziel scheint immer schwieriger erreicht werden zu können.

Nun lassen sich viele negative Auswirkungen unseres Wirtschaftens und Wachstums auf unsere Umwelt aufzählen. Doch mit steigender Notwendigkeit eines entschlossenen Handelns, um diese Entwicklung aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen, fragen sich immer mehr Menschen: Was muss sich ändern und wie kann ich meinen Beitrag zu einer besseren Welt leisten?

Das Interesse der Bevölkerung, nachhaltiger zu leben, in Verbindung mit staatlichen Reglementierungen eröffnen großes Potenzial für Geschäftsmodelle, die neben Rendite auch soziale und ökologische Aspekte in ihre Unternehmenspraxis mit einbeziehen. Die Implementierung so genannter ESG-Kriterien (Ecological, Social, Governance) muss dabei nicht Einbußen bei der Shareholder-Value-Maximierung bedeuten. Im Gegenteil: Nachhaltige Investmentfonds scheinen im Vergleich zu herkömmlichen Investmentfonds insbesondere in Krisenzeiten gut zu performen (siehe Abschnitt “Performance”).

In diesem Artikel soll sich mit der Thematik “Impact Investing” daher einmal genauer auseinandergesetzt werden. Was bedeutet Impact Investing? Wie kann Impact gemessen werden? Wer sind relevante Player im Markt und wie implementieren Investoren diese Impact-Faktoren in ihren Investmentprozess?

Terminologie

Befasst man sich mit der Thematik nachhaltige Geldanlagen, findet man viele unterschiedliche Begrifflichkeiten, die auf das Thema Nachhaltigkeit einspielen: Sustainable Finance, Impact Investing, Responsible Investing, Social Investing, ESG-Investing, SDG-Investing, etc.. Mit speziellem Fokus auf der Rolle von VCs beim Thema nachhaltige Geldanlagen ist insbesondere der Unterschied zwischen ESG-Investing und Impact Investing unter Berücksichtigung der Sustainable Development Goals (SDG) zu beachten.

ESG

Investiert man unter Berücksichtigung von ESG-Kriterien, so berücksichtigt man bei seinen Investitionszielen ökologische und soziale Aspekte sowie die Corporate Governance des Unternehmens. Dies kann bedeuten, dass bestimmte Unternehmen von einem Investment ausgeschlossen werden, weil sie bestimmte Produkte herstellen, bestimmte soziale, ökologische und Governance-bezogene Kriterien nicht erfüllen, der Wertvorstellung eines Investors nicht entsprechen oder gegen internationale Normen und Standards verstoßen. Eine typische Investitionsstrategie im Zusammenhang mit ESG ist ein “best-in-class” Ansatz. Unter diesem Investmentansatz wird das Unternehmen aus einer bestimmten Branche als investitionswürdig befunden, welches die ESG-Kriterien am besten berücksichtigt. Diesen Ansatz verfolgt beispielsweise die KfW.[3]

SDG

Die Sustainable-Development-Goals der UN sind ein beliebtes Framework, nach denen eine Impact-Investmentstrategie ausgerichtet sein kann. Die UN definierte folgende 17 Ziele:

Häufig wird Technologie als Schlüssel zu Erreichung dieser Ziele gesehen. Während große Fondsmanager aus dem Bereich nachhaltige Investments ihre Strategie eher nach ESG-Kriterien ausrichten (Ausschluss bzw. best-in-class), investieren Impact-VCs eher unter Berücksichtigung der SDG. Bei solchen VCs kommt ein Investment also nur dann in Frage, wenn das Produkt des Startups mindestens einem dieser Ziele Rechnung trägt.

Impact Investments & Venture Capital

Um die SDG der UN bis 2030 zu erreichen, werden jährliche Investitionen von Schätzungsweise USD 5-7 Billionen benötigt, wobei ein Großteil davon aus dem privaten Sektor gestemmt werden muss.[4] Nach Ansicht einiger Wissenschaftler spielen innovative Geschäftsmodelle eine Schlüsselrolle bei der Transformation bestehender Unternehmen, welche die Nachhaltigkeit erst kürzlich in ihren Fokus gerückt haben.[5] Zudem wird Geschäftsmodellen, die nicht nur die Art und Weise, wie wir produzieren, sondern auch die Art und Weise, wie wir konsumieren, verändern, ein hohes disruptives Potenzial zugesagt.[6]

Aus diesem Grund lässt sich in den letzten Jahren ein starker Anstieg von “Impact-Investments” im VC-Bereich feststellen. Laut Berechnung des Global Impact Investing Network (GIIN) umfasste das Volumen von Impact Deals im Jahr 2017 USD 35,5 Mrd., Tendenz steigend. Dedizierte Impact VCs sind im deutschen Raum allerdings weiterhin selten. Lediglich zwei solcher VCs sind aktuell am Markt: BonVenture und Ananda Impact Ventures. BonVenture ist der einzige deutsche registrierte EuSEF-Manager (European Social Entrepreneurship Funds). Er ist damit verpflichtet, Nachhaltigkeitskriterien als wesentlichen Bestandteil des Auswahlprozesses zu integrieren. Fokusbereiche sind insbesondere Bildung, Armutsbekämpfung, Gesundheit und erneuerbare Energien. Ananda Impact Ventures investiert europaweit mit einem Fondsvolumen von aktuell EUR 50m. Fokusbereiche sind auch hier Bildung und Gesundheit, aber auch Inklusion.

Investmentprozess und Wirkungsmessung

Wirkungsmessung und -management sind integraler Bestandteil einer effektiven Impact-Investmentstrategie. In der Regel verfolgt jeder Impact-VC eine eigene Methodik, die SDG im Investmentprozess zu implementieren und Erfolgsmessung zu betreiben. Im Kern werden positive und negative Auswirkungen der Geschäftsaktivitäten auf Menschen und Planeten identifiziert und dabei versucht, die negativen Auswirkungen zu minimieren und positive Auswirkungen zu maximieren. Das GIIN empfiehlt, folgende vier Schritte im Investmentprozess zu berücksichtigen[7]:

  1. Zielsetzung und Erwartungshaltung: Die Ziele sollten die Auswirkungen einer Investition auf die Menschen und/oder den Planeten berücksichtigen und die Erwartungen der Investoren an Risiko und Rendite anpassen.
  1. Definition der Strategie: In Abhängigkeit des Portfolios und der Managementexpertise des Investmentteams sollte die beste Strategie definiert werden, um gesetzte Ziele zu erreichen.
  1. Auswahl passender Impact-KPIs: Verwendung adäquater Outputfaktoren, welche messbar sind und den SDG-Zielen Rechnung tragen. Beispielsweise könnte die CO2-Einsparung (SDG 13) oder die Reichweite von Bildungsangeboten (SDG 4, 10) ein KPI sein. Zur Unterstützung liefert das GIIN einen Katalog von generell akzeptierten Performance Metriken.[8]
  1. Wirkungsmessung und Reporting: Eine Überprüfung der Investmentstrategie ist wichtig, um den Investmentprozess kontinuierlich zu verbessern. Der deutsche Impact-VC BonVenture misst die Erreichung der Ziele anhand des „Theory of Change”-Ansatzes gemäß I-O-O-I Modell (Input-Output-Outcome-Impact)[9], also den Impact, der spezifisch als Folge eines Inputs (Investment) zu beziehen ist.
Performance
Impact VCs investieren, wie auch klassische VCs, nur in Unternehmen, deren Geschäftsmodell langfristig wirtschaftlich profitabel ist. Nun liegt die Vermutung nahe, dass Unternehmen, die neben finanziellen auch auf die Erreichung von nicht-finanziellen KPIs ausgerichtet sind, tendenziell unterdurchschnittlich gut performen. Studien ergaben allerdings, dass es keine finanziellen Nachteile für ESG-Investoren gäbe. In konjunkturschwachen Perioden haben diese Investments den Markt sogar outperformt[10]. Research über die Performance von Impact VCs ist dünn. Eine Umfrage des GIIN ergab jedoch, dass nur 2% der befragten PEs/VCs ihre Performance-Ziele nicht erreicht haben (wobei 64% marktübliche Renditen erwarteten)[11]. Dass sich Performance und Impact nicht gegenseitig ausschließen, bestätigt auch die Aussage von Patrick Ruf, Investment Manager bei BonVenture:

“Wir hatten noch keine Ausfälle bei gemeinnützigen Unternehmen. Insofern ist das Risiko-Rendite-Profil nicht schlechter als bei klassischen for-profit Unternehmen.”

  • Zitat Patrick Ruf, Investment Manager bei BonVenture

Ausblick

So wie Venture Capital ein Wachstumsmotor für digitale Unternehmen war und ist, so kann es ebenfalls eine essentielle Rolle bei der Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft spielen. Geschwindigkeit bei einer solchen Transformation ist nun wichtiger denn je, denn mit jedem Tag werden Umweltschäden schwieriger zu beheben. Neue Ideen und Geschäftsmodelle, welche Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit vereinen, sind dabei ein Schlüsselfaktor. Venture Capital liefert den Treibstoff, diese disruptiven und nachhaltigen Geschäftsmodelle schnell skalierfähig zu machen.

[1] https://www.un.org/development/desa/en/news/population/world-population-prospects-2017.html

[2] https://www.overshootday.org/

[3] https://www.kfw.de/nachhaltigkeit/KfW-Konzern/Nachhaltigkeit/Nachhaltige-Unternehmensprozesse/Nachhaltiges-Investment/Nachhaltiger-Investmentansatz-der-KfW/Integration-von-ESG-Kriterien/

[4] https://www.weforum.org/agenda/2017/09/the-money-is-there-to-fight-climate-change/

[5] https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/1086026615599806

[6] https://www.weforum.org/agenda/2014/09/circular-economy-sustainable-planet/

[7] https://thegiin.org/imm/

[8] https://iris.thegiin.org/

[9] https://bonventure.de/unsere-wirkung/

[10] https://www.atkearney.com/documents/10192/6972076a-9cdc-4b20-bc3a-d2a4c43c9c21

[11] https://thegiin.org/assets/GIIN_AnnualImpactInvestorSurvey_2017_Web_Final.pdf

Autor: Moritz Schwarz, Investment Analyst