Face On: Bilendo

Hallo ihr beiden, könnt ihr euch bitte kurz vorstellen?

Julian: Ich bin der betreuende Investmentmanager für Bilendo und seit 2014 beim main incubator. Mein Hintergrund ist die Betriebswirtschaftslehre, vor dem main incubator durchlief ich mehrere Stationen im Bereich PE und VC. Aktuell betreue ich neben Bilendo noch fünf weitere Beteiligungen.

Markus: Bilendo habe ich 2015 gemeinsam mit Jakob und Florian gegründet. Zuvor war ich bereits als Gründer im eigenen Startup im Fashion-Bereich aktiv. Auch ich habe einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund und konnte verschiedene Einblicke z.B. auch in Banken gewinnen.

Könnt ihr erläutern, wie es zum Kennenlernen und zur Erstbeteiligung zwischen Bilendo und dem main incubator kam?

Markus: Wir haben den main incubator über unser Co-Investorennetzwerk kennengelernt und über dieses lief auch die Ansprache, richtig?

Julian: Ja, das stimmt. Wir wurden explizit auf Bilendo von einem befreundeten VC angesprochen und haben uns dann mit dem Unternehmen und dem Team konkreter befasst. Wir sind generell immer auf der Suche nach interessanten Investmentopportunitäten, sei es durch unser eigenes Netzwerk, durch unsere zentralen Einheiten oder unser Fillialnetz: Wir suchen Innovationen, die uns als Bank oder unsere Kunden voranbringen.

Bei Bilendo lief der ganze Prozess super: Eine klassische Seedrunde gemeinsam mit Bayern Kapital (Bayerns Venture-Capital-Investor). Aufgrund der produktseitigen Fits und dem hohen Kooperationspotential war das Investment insgesamt gut darstellbar.

Markus, was macht den main incubator als Investor aus, wie erlebt ihr die Zusammenarbeit ?

Markus: Aus unserer Sicht ist der main incubator als CVC-Investor wegen des strategischen Hintergrunds spannend, besonders aus Vertriebssicht. Außerdem gab es einen positiven Reputationseffekt durch das Investment. Auch das Netzwerk, welches uns der main incubator zur Verfügung stellt, ist ein deutlicher Mehrwert. Zusätzlich hatten wir die Möglichkeit, auf prozessuale Unterstützung zu verschiedenen Themen zurückzugreifen. Die Zusammenarbeit und der regelmäßige Austausch sind wirklich offen, fair und gut.

Ihr habt nach dem Investment eine erste Kooperationsvereinbarung getroffen. Könnt ihr hier erzählen, wie genau das vonstatten ging?

Markus: Nach dem Investment ging es vorrangig um die Vertragsgestaltung bezüglich unserer Vertriebskooperation über Firmenkundenberater, anschließend haben wir dann durch etwaige Zulieferungen, wie z.B. Produktvideos oder durch das Teilen unserer Landingpage und durch deutschlandweite Schulungen für Vertriebsmitarbeiter unseren Teil dazu beigetragen, dass die Kooperation erfolgreich ist. Der main incubator hat uns dabei in allen Phasen unterstützt.

Julian: Unsere Rolle nach dem Investment ist grundsätzlich die eines Intermediärs: Wir bringen Bank und Startup zusammen und vermitteln, wobei es Bilendo der Bank und uns prozessual sehr einfach gemacht hat.

Wie unterscheidet sich aus Deiner Sicht ein strategischer Corporate-VC von einem klassischen VC, Julian?

Julian: Als strategischer Investor haben wir mehr Innovations- als Investitionsdruck und können grundsätzlich sehr flexibel reagieren. Zudem sind wir nicht z.B. über Fondslaufzeiten eingeschränkt und können weiterhin in verschiedene Branchen investieren. Ein wichtiger Ansatz ist es, Innovation und neue Ideen in unsere Organisation zu bringen: Wir setzen uns aktiv und beständig mit unseren Portfoliounternehmen auseinander und helfen in Punkto Kooperation, aber auch darüber hinaus, z.B. bei weiteren Finanzierungsrunden.

Durch die Kooperationen sowie unsere gleichzeitige Auseinandersetzung mit innovativen Themen und neuen Technologien, derer sich durchaus auch unsere Startups bedienen, liefern wir der Organisation wiederum Anstöße für einen internen Kulturwandel und bieten Impulse hin zu mehr Innovation. Davon profitieren wir natürlich auch als  Organisation, beispielsweise wenn unsere Portfoliounternehmen vor Mitarbeitern sprechen und ihre Erfahrungen teilen. Im Falle von Bilendo wurde das sehr gut umgesetzt.

Markus, wie habt ihr euch in der Zeit der Beteiligung als Unternehmen auf der Produkt- und Kundenseite weiterentwickelt?

Markus: Begonnen haben wir als Automatisierungs-Anbieter im Bereich Mahnwesen. In der Zwischenzeit haben wir uns Leistungsportfolio stark erweitert und bieten Unternehmen alle relevanten Dienstleistungen aus dem Order-to-Cash Prozess. Bilendo entwickelt sich so zur ganzheitlichen Credit Management-Plattform entlang des Order-To-Cash-Prozesses in Unternehmen. Im Kern konzentrieren wir uns darauf, die Kreditrisiken unserer fast 1.000 Kunden zu reduzieren. Das beginnt schon bei der Anlage von Kunden und der Vergabe von Zahlungszielen und Kreditlinien, geht über Prozesse in der Buchhaltung bis zu Themen aus Factoring, Inkasso und Kreditversicherung. Aufgrund der hohen Flexibilität unserer Plattform sowie der guten Konnektivität sind wir seit einiger Zeit in der Lage, auch große Unternehmen und Konzerne in den Prozessen zu unterstützen.

Nach einer weiteren Beteiligung (Extended Seed) des main incubators wurde vor Kurzem eine neue, digitale Kooperation, UnternehmerPlus der Commerzbank, bekannt. Was genau können wir uns hier vorstellen?

Markus: Durch das weitere Investment und die neuen Gesellschafter aus dem Bereich Finanzen und FinTech konnten wir unser Produkt weiter ausbauen und so unseren Kunden und den Kunden der Bank nun mehr Funktionalitäten bieten – von mehr Schnittstellen zu ERPs, CRMs oder Paymentanbietern bis hin zu unserer modularen Produkterweiterung oder durch verbessertes Zahlungsmatching. Teilweise nutzen wir hierbei übrigens die von Gini gestellte OCR-Technologie. Die digitale Kooperation ergänzt die bestehende “offline” Kooperation sehr gut und wir finden, dass dies bisher gut angelaufen ist. In Zukunft wird es weiter darum gehen, den Kunden der Bank sowie unseren Kunden im Bereich der Liquiditätsoptimierung zu helfen. Hier passen unsere Interessen perfekt zueinander. Besonders freut uns, dass auch weitere Kooperationspartner wie lexoffice oder Flex Payment hervorragend in das Konstrukt passen. Mit lexoffice haben wir eine fertige, vorkonfigurierte Schnittstelle geschaffen , die quasi Out-of-the-Box funktioniert. Mit Flex Payment schaffen wir ein mächtiges Instrument zur Steuerung von Factoring in Unternehmen. So können Unternehmen zum Beispiel Rechnungen oder ihre Kunden in Lexoffice verwalten und über die Schnittstelle an Bilendo übertragen. Forderungen, die ins Factoring gehen sollen,  werden automatisch an Flex Payment übermittelt. Alle Forderungen, die sich nicht für Factoring eignen, werden in unserem klassischen Mahnwesen-Modul verarbeitet, durchgemahnt und im Schadenfall am Ende an einen Inkasso-Partner abgegeben. Insgesamt also tatsächlich eine ideale Kooperation.

Julian: Ziel der neuen Plattform ist es, den bisherigen Commerzbank-Bestandskunden aus dem Unternehmerkundenbereich sinnvolle und innovative Zusatzservices außerhalb des klassischen Bankings anzubieten, welche manuelle Prozesse beschleunigen und optimieren. Zusätzlich sind alle Partnerangebote durch Commerzbank-Spezialisten geprüft und bieten gleichzeitig sehr attraktive Konditionen bei den jeweiligen Partnern. Neben Bilendo gibt es derzeit mit lexoffice und FlexPayment zwei weitere Partner, welche das Angebot abrunden. Mit lexoffice lässt sich die Buchhaltung automatisieren und FlexPayment schützt Unternehmen vor Zahlungsausfällen – beide Unternehmen sind übrigens auch bei Bilendo angebunden und funktionieren daher in Kombination tadellos.

Bilendo ist gerade für Bankkunden aus dem Bereich Unternehmerkunden sehr interessant, da die innovative Lösung im Bereich Order-To-Cash und Mahnwesen bei vielen Kunden akute Probleme lösen und Prozesse beschleunigen kann. Somit wird die bestehende Kooperation hervorragend ausgeweitet.

Wo siehst Du Bilendo in fünf Jahren Markus?

Markus: Unsere Vision ist es, mit Bilendo in fünf Jahren die führende Credit Management-Plattform für Unternehmen auf der ganzen Welt zu sein und alle Services aus den Bereichen Payment, Auskunft, Scoring/Rating, Inkasso, Buchhaltung, Finanzierung/Factoring und Versicherung anzubieten und die Intermediäre in den Prozessen zwischen Gläubiger-Schuldner-Dienstleister weitestgehend eliminieren zu können.