Brauchen Unternehmen wirklich CDO’s?

Wieso Digitalisierungsstrategien alles andere als digital sind
In Zeiten der Digitalisierung wird alles – ja, was wohl? – digital. Digitale Lösungen und Produkte, digitales Mindset, digitale Strategie: Doch was noch immer inflationär als Distinktionsmittel verwendet wird, sollte heutzutage nichts anderes mehr sein als eine unbedingte Grundvoraussetzung. Denn mit der Hervorhebung des Digitalen geschieht genau das Gegenteil von dem, was diverse Digitalstrategien eigentlich bezwecken wollen: Statt die Digitalisierung und ihre Potentiale als selbstverständlich und damit als mittlerweile natürliches Element in allen Überlegungen automatisch mitzudenken, macht sie mit ihrer exponierten Darstellung noch immer den Eindruck, etwas Neues, Mystisches und Revolutionäres zu sein, das es noch zu erforschen gilt.

Aber stimmt das eigentlich? Entsprechen eine solche Wahrnehmung und Einordnung der Digitalisierung noch unserer tatsächlichen Realität? Wohl kaum.

Eine von der generellen Strategie losgelöste Digitalstrategie suggeriert, dass Digitalisierung nur als Katalysator zu verstehen ist, der die eigentliche Kernstrategie nur ergänzt. Die Fortsetzung einer solchen Haltung könnte allen, die noch an einer solchen strikten Trennung festhalten, jedoch bald das Genick brechen. Denn Digitalisierung ist nicht nur eine interessante Randbedingungen, sondern das Fundament unserer Gegenwart und Zukunft. Ausschließlich analog hat ausgedient.

Weitergedacht heißt das nichts anderes als: Eine Strategie, die heute und zukünftig erfolgreich sein möchte, kann nicht anders als sich die Digitalisierung mit all ihren Implikationen und Konsequenzen zum Herzstück zu wählen. Eine Strategie also, die per se digital ist, ohne dies betonen zu müssen und stets den Kunden und das Produkt im Blick behält.

Doch wie gelingt eine solche Strategie nun? Zunächst: Mit diesem Beitrag können und wollen wir keinen universell übertragbaren Leitfaden für eine erfolgreiche, ganzheitliche Unternehmensstrategie in Zeiten der Digitalisierung liefern. Vor allem, da jedes Unternehmen hier seinen ganz eigenen Weg finden muss.

Was wir als Forschungs- und Entwicklungseinheit jedoch können, ist die Einschätzung der Bedeutung von Zukunftstechnologien, sogenannten Emerging Technologies, und ihren Implikationen auf Probleme, Produkte und Interaktionen von morgen. Netflix, Uber, Apple und Amazon aber auch Tencent und Alibaba gehen hier als gute Beispiele voran und zeigen, wie man durch die Anwendung von Emerging Technologies neue und bessere Kundenerlebnisse – wohlgemerkt sowohl B2B als auch B2C, am Ende vielleicht sogar gar Machine to Machine-seitig – ermöglichen und sich damit auch noch für morgen und übermorgen eine Daseinsberechtigung schaffen kann. Und auch für die, die nicht ganz so disruptiv wie Amazon und Co. unterwegs sind, steht eins fest: Mit der Entwicklung neuer Technologien ergeben sich unweigerlich auch völlig neue Wege für Unternehmen und ihr Kerngeschäft. Damit wären wir auch schon bei der ersten großen Herausforderung: Der Markt wird immer größer, immer innovativer, immer schneller. Um in einem solchen Umfeld mithalten zu können, sollten Unternehmen sich auf das gute alte Motto „weniger ist mehr“ konzentrieren. Statt zig vermeintlich neue Lösungen zu entwickeln, ist in Zeiten der Digitalisierung der Blick auf den Konsumenten so wichtig wie noch nie zuvor. Mit welchem Produkt hebt man sich von der Konkurrenz ab? Welche Lösung funktioniert besonders gut und bildet das eigentliche Kerngeschäft am besten ab? Oder welche neue Technologie lässt sich nutzen, um das Angebot für den Kunden passender zu gestalten?

Denn Emerging Technologies wie Künstliche Intelligenz, Internet of Things (IoT) oder Blockchain werden die Grenzen des Möglichen in den kommenden Jahren vollkommen neu definieren und den Weg für eine vollständig andere Kundenerfahrung bereiten. Das Spektrum dafür ist breit: von der immensen Steigerung der Geschwindigkeit eines Prozesses und dessen absoluter Transparenz, über ins Detail individualisierbare Services bis hin zu vollständig neuen Produkten.

Übrigens: Es reicht nicht, sich einmal mit dem ganzen Thema auseinandergesetzt zu haben, einen mehrjährigen Plan aufzusetzen und dann die Füße hochzulegen. Denn genauso wie sich das eigene Geschäft an den sich immer wandelnden technologischen Voraussetzungen entwickelt, muss es auch die Strategie. Am besten gelingt dies, wenn man die Strategie wie ein Minimal Viable Product (MVP) behandelt, das zur Weiterentwicklung und Optimierung kontinuierlich Tests unterzogen wird. Damit schlägt man übrigens gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen bleibt man im ständigen Kontakt mit dem Kunden, zum anderen gestaltet man die Zukunft von Anfang an so, dass man mit ihr flexibel und schnell auf Änderungen reagieren kann.

In letzter Konsequenz stellt eine solche Strategie auch die bestehenden Kräfteverhältnisse in einem Unternehmen auf die Probe. Denn Entscheider, die neuen Geschäftsmodellen weder Bereitschaft noch Verständnis entgegenbringen, den Unterschied zwischen Künstlicher Intelligenz und Machine Learning oder Blockchain und DLT nicht kennen, die Grundzüge eines Algorithmus nicht verstehen oder sich mit Themen wie Quantencomputer nicht einmal als Gedankenexperiment beschäftigen wollen, die werden es in Zukunft schwer haben, ihr Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu begleiten.