Biometrics

Manches Mal ist uns gar nicht so recht bewusst, wie Technologie uns beeinflusst und unser Verhalten verändert. Oft hinterfragen wir sie nicht einmal und lassen uns stattdessen von dem neugewonnen Komfort leiten. Auf eine Technologie lässt sich diese Behauptung besonders gut stützen: Biometrics.

Was ist Biometrics? Ganz einfach: Biometrics als Technologiebegriff umfasst alle biometrischen Verfahren zum Auslesen und statistischen Analysieren physischer oder verhaltensbasierter Charakteristika eines Menschen. Je nach Verfahren werden Datenpunkte u.a. via Laserstrahl, Infrarot oder Spektralanalyse erfasst, auf Muster analysiert und mit vorhandenen Templates verglichen.

Klingt das nicht einfach? Tatsächlich ist die Technologie, die hinter Biometrics steckt, hochgradig komplex und alles andere als einfach. Dennoch: Nach anfänglicher, sehr kurzer Skepsis, entsperren viele von uns mehrmals täglich das Smartphone einfach mit dem Finger oder einem Blick auf das Handy – und wehe es entsperrt sich nicht sofort beim ersten Mal – ohne genau zu wissen, wie es funktioniert. Den Code zum Entsperren, gibt kaum noch jemand ein.

Das ist nicht schon immer so. Tatsächlich haben im Jahre 2012 nur 33 Prozent der privaten Smartphone-Nutzer überhaupt ein Passwort, Sperrcode oder Fingerabdruck zum Schutz des Smartphones verwendet. Nur zwei Jahre später lag dieser Wert schon bei 72% und dann in 2016 sogar bei 92%. Gründe dafür: zum Einen führt die intensive Nutzung des Smartphones dazu, dass wir vermehrt (teils nur subjektiv betrachtet) sensible Daten auf dem Device speichern und mitführen, die wir schützen möchten. Zum Anderen kam mit dem Fingerabdrucksensor im iPhone 5s in 2013 eine komfortable Alternative zur PIN-Code Eingabe hinzu – Biometrics für alle.

Es steckt allerdings noch mehr hinter Biometrics, als nur das Entsperren des Smartphones. Das Ziel ist allerdings immer das gleiche: wir möchten mittels biometrischer Verfahren herausfinden, wer die Person ist – die Rede ist von Identitätsprüfung – oder ob die Person diejenige ist, die sie vorgibt zu sein – also Authentifizierung oder auch Echtheitsprüfung. Daher ist es naheliegend, dass der Anspruch an die Präzision eines solchen Verfahrens möglichst hoch sein muss. Verfahren, die auf Merkmale wie Wissen oder Besitz zurückgreifen, sind leicht umgehbar und somit unsicher. Biometrische Merkmale eines Menschen, wie beispielsweise die Iris, der Fingerabdruck, das Handvenenmuster oder auch die Stimme, sind dagegen einzigartig, nicht übertragbar und unveränderlich, und somit geeignete Merkmale für die Identitäts- und Echtheitsprüfung.

Aber warum macht es Sinn, sich mit Biometrics zu beschäftigen – und das als Forschungs- und Entwicklungseinheit einer Bank? Naja, im Gegensatz zu beispielsweise Lebensmittelhändlern oder Tankstellenbetreibern ist es für Banken nicht irrelevant, wer der Kunde ist, der die Produkte kauft. Im Gegenteil! Bei fast allen Bankgeschäften ist eine Identitätsprüfung unerlässliche Voraussetzungen für den Abschluss des Produkts oder Geschäftes. Auch bei indirekten Bankgeschäften, wie dem bargeldlosen Bezahlen, muss beispielsweise die Echtheit der Unterschrift des Besitzer der Kreditkarte überprüft werden.

Was uns bewegt ist der Gedanke und die Vorstellung, dass wir in naher Zukunft gänzlich ohne Geldbeutel und auch ohne Smartphone in der Lage sind, uns eine Pizza zu kaufen und zu bezahlen – und das per Handauflegen. Dass wir keinen Auto- und Haustürschlüssel mehr benötigen und zusätzlich die Sicherheit erhöhen, indem wir diesen auch nicht mehr verlieren oder entwendet bekommen können. Dass Tickets für Flüge und auch für Fußballspiele personalisiert werden, in dem sie an biometrische Merkmale gebunden sind, und somit sicherer werden. All das und noch viel mehr ist es, was uns an Biometrics bewegt.

Fun fact zum Abschluss: Auch wenn Biometrics neuartig klingt, ist übrigens auch die Unterschrift ein seit dem Frühmittelalter bekanntes biometrisches Erkennungsverfahren, das auch heute noch Anwendung findet und, dank einer Sichtprobe, keinerlei Technologie bedarf.

Augustin Danciu